groschenromanblog.de » gute Partie Herzschmerz als Fortsetzungsroman Sun, 27 Mar 2016 15:19:17 +0000 de-DE hourly 1 Grandhotel Herz, Folge 19 /grandhotel-herz-folge-19/ /grandhotel-herz-folge-19/#comments Tue, 04 Aug 2015 14:26:52 +0000 /?p=3839 weiterlesen]]>
Liebe, Kitsch, Wien, Grandhotel, Liebesroman, Groschenroman

“Dein Vater kann manchmal ein ganz schön störrischer Esel sein”, sagte Max’ Mutter.
Sabine Ernst, “Geduld”, Some rights reserved , Quelle: www.piqs.de

“Mutter, Du willst doch nicht wirklich, dass ich diese alte Schreckschraube einlade. Das kann nicht Dein Ernst sein.” Erbost war Max aufgestanden und lief nun quer durch sein Büro.
“Max, mein Lieber, Du heiratest eine echte Adlige. Da darfst Du gewisse gesellschaftliche Konventionen nicht außer Acht lassen. Gräfin zu Jägermeinhaus nicht einzuladen, käme einem Affront gleich. Ich glaube nicht, dass Elisabeth das dulden würde.”
“Dann bestehst Du wohl auch darauf, dass ich den alten schrulligen Amtsrat Obergehringer einlade. Und dazu seine Gnädige, die unerträgliche Schwatzbase. Na, das wird ja eine saubere Hochzeit. Ganz so wie ich es mir vorgestellt habe. Ein Tag, den ich nicht vergessen werde.”
“Denk einfach daran, dass Du danach mit Elisabeth verheiratet bist. Sie ist eine wunderbare Partie. Gut aussehend, reich und ohne Tadel. Und sportlich dazu. Was willst Du mehr?”

Ja, was wollte er mehr? Max sah aus dem Fenster und beobachtete das bunte Treiben vor dem Hoteleingang. Ohne Unterlass fuhren die Limousinen vor. Die Pagen hatten alle Hände voll zu tun, den Gästen beim Aussteigen zu helfen, das Gepäck auszuladen und ins Gebäude zu bringen. Der Betrieb lief, das Hotel hatte wie schon vor 100 Jahren einen guten Namen bei Touristen mit dem entsprechenden Geldbeutel.

Im Prinzip brauchte er Elisabeths Geld und auch ihren adligen Titel nicht, um in der Gesellschaft angesehen zu sein. Dafür hatten schon sein Vater und Großvater gesorgt, als sie das Haus zu dem machten, was es heute war. Als Erbe des Grandhotel Herz würde ihm keine Tür verschlossen bleiben. Warum also sollte es ausgerechnet Elisabeth sein?
Bisher hatte er sich diese Frage nie gestellt. Bisher war er aber auch noch nie verliebt gewesen. Natürlich fand er Elisabeth anziehend und bevor er Mitzi kennengelernt hatte, dachte er, das sei genug. Jetzt erst hatte er die echten, großen Gefühle kennengelernt. Und seit dem Kuss im Aufzug war er sich sicher, dass Mitzi diese Gefühle erwiderte. Wie herrlich war das gewesen, wie wunderschön. Er musste mit Mitzi sprechen, musste sich erklären.

“Max, wo bist Du denn mit Deinen Gedanken?” Er hatte völlig vergessen, dass seine Mutter im Raum war.
“Entschuldige bitte. Wo waren wir stehen geblieben?” Ganz Geschäftsmann ging Max zurück zu seinem Schreibtisch und setzte sich seiner Mutter gegenüber.
“Wir sprachen über die Hochzeitseinladungen. Zum jetzigen Stand werden es etwa 200 Gäste. Was meinst Du, wird der Große Saal ausreichend sein? Sonst müssten wir vielleicht doch ins Wiener Rathaus ausweichen.”
Das war typisch für seine Mutter. Familienfest konnten ihr nie groß genug gefeiert werden.
“Das ist keine gute Idee”, sagte Max. “Wenn der Juniorchef des Grandhotel Herz heiratet, sollte die Feier nach im eigenen Haus stattfinden, findest Du nicht?”
“Du hast Recht, mein Junge. Das war dumm von mir. Wir werden die Gästezahl begrenzen, ganz einfach. Ich werde gleich mit Elisabeth sprechen. Ich hoffe bloß, sie wird nicht verärgert sein, wenn nur ein Teil ihrer adligen Familie kommen darf. In dieser Hinsicht kann Deine Verlobte ja schon ein bisschen eigen sein, nicht wahr?”

Max wusste genau, wovon seine Mutter sprach. Elisabeth war dickköpfig und konnte es überhaupt nicht leiden, wenn die Dinge nicht nach ihren Wünschen liefen. Dann schnappte sie ein und legte ein arrogantes und herablassendes Benehmen an den Tag.

“Sie wird es schon verstehen, Mutter”, sagte Max, obwohl er selbst nicht davon überzeugt war.
“Ja, vielleicht. Und wenn nicht, dass musst Du sie eben mit Charme und Diplomatie überzeugen. Aber das hast Du ja sicherlich von mir gelernt.” Seine Mutter hatte sich erhoben und stand nun hinter ihm, beide Hände auf seinen Schultern. “Dein Vater ist manchmal auch ein störrischer Esel, Du kennst ihn ja. Man muss halt wissen, wie man sie zu nehmen hat, diese sturen Dickköpfe, nicht wahr?”

Max dachte an seinen alten Herrn und wie er seine Mutter dafür bewunderte, es seit vielen, vielen Jahren mit ihm auszuhalten. Nicht nur, dass sein Vater störrisch und dickköpfig war. Schlimm wurde es wenn er – wie die Mutter es nannte – seine Phasen bekam. Früher, in Max’ Kindheit war es häufig vorgekommen, dass der Vater einfach für eine oder zwei Wochen wie vom Erdboden verschluckt war. Kein Mensch wusste, wo er war. Und genauso wie er verschwunden war, tauchte er plötzlich wieder auf. Ohne Erklärung kam er zur Tür herein als ob nichts gewesen wäre. Seit etwa zehn Jahren gab es diese Phasen seltener, vielleicht zweimal im Jahr. Max hatte nie verstanden wie die Mutter damit leben konnte, wie sie die geheimnisvolle Abwesenheit des Vaters akzeptieren konnte. Sie liebe ihn eben, hatte sie immer beteuert. Und dass man seinen Ehemann so nehmen müsse wie er sei. Einen Menschen könne man nicht ändern.

Max wusste, dass seine Mutter in diesem Punkt Recht hatte. Er würde Elisabeth auch so akzeptieren müssen wie sie war. Aber konnte er das? Besaß er genug Geduld und innere Ruhe, um ihre Eskapaden und ihr exzentrisches Gehabe dauerhaft zu ertragen? Würde er bereit sein, immer wieder mit Charme und Diplomatie zu reagieren, auch wenn er am liebsten brüllen würde wie ein Stier? Mit welchem Recht forderte Elisabeth von ihm Zurückhaltung und Toleranz, während sie tun und lassen konnte, was sie wollte?

“So, jetzt muss ich aber los. Dein Vater und ich wollen zusammen Mittag essen. Möchtest Du uns vielleicht begleiten? Es ist lange her, dass wir zusammen gegessen haben.”
“Danke Mutter. Aber schau Dir meinen Schreibtisch an, hier stapelt sich die Arbeit. Ein anderes Mal gerne. Sag Vater liebe Grüße von mir.” Max stand auf und gab seiner Mutter einen Kuss auf die Wange.
“Auf Wiedersehen, Mutter.”
“Auf Wiedersehen, mein Sohn.” Max wartete bis seine Mutter das Büro verlassen hatte. Dann griff er zu Telefonhörer. “Frau Maier, wenn Mitzi Pichler kommt, schicken Sie sie bitte gleich zu mir.”

Hier geht’s zu Folge 20 von “Grandhotel Herz”.

Grandhotel Herz, Folge 19; ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.

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