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Im Fjord der Liebe, Folge 4

Eingetragen in: Im Fjord der Liebe | 1

Ich denke, jetzt kennt Ihr die Protagonisten schon ganz gut, oder? Lisa, die immer noch ihrer alten Liebe nachtrauert und Brad, der Superstar, der gar nicht so recht weiß, wie er eigentlich in diesem norwegischen Nest gelandet ist – in dem sich offensichtlich sein Nebenbuhler (zumindest in Lisas Gefühlsleben) aufhält.

Kitsch, Groschenroman, Liebe, Herzschmerz, Liebesroman, Carola Pigisch, Norwegen, Fjord
Seit Stunden schon saß Lisa auf dem Steg. Es war wunderbar, wieder hier zu sein.
Nicola, “Im Land der Mitternachtssonne III”, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de

Lisa ließ die Beine ins Wasser hängen und schaute ins Weite. Seit Stunden saß sie nun schon auf dem Steg hinter dem Haus und blickte über das Fjord. Es war einfach wunderbar, wieder hier zu sein, auch wenn sie schmerzliche Erinnerungen mit Steinbek verband. In den vier Tagen, die sie nun schon hier zubrachte, hatte sie all die bekannten Orte aufgesucht. Das kleine Lokal am Hafen, den alten Friedhof hinten beim Wald, das Tante-Emma-Lädchen, in dem die betagte Maja das Nötigste verkaufte. Sie musste mindestens schon 90 sein, hatte Lisa aber sofort erkannt. Nur oben auf dem Hügel, wo die Villa der von Langlos stand, dahin hatte sich Lisa bislang nicht getraut. Sie wusste nicht, ob Nikolai noch dort wohnte, wollte aber das Risiko nicht eingehen, ihm zu begegnen? Oder irgendjemand anderem aus der Familie. Lisa mied alle Orte, die Nikolai liebte und an denen sie mit ihm gewesen war.

“Schwesterherz, hallo, hier bist Du!”
Lisa drehte sich um. Trixi kam durch den Garten gelaufen. “Hängst Du wieder Deinen trüben Gedanken nach?”
Lisa stand auf und umarmte ihre Schwester. “Hallo Trixi, schön Dich zu sehen. Gut siehst Du aus, wie immer.” Trixi trug knallenge Jeans und Stiefel. Ihre Bluse war transparent und ließ einen feinen Spitzen-BH durchschimmern. “Ach was, ich seh’ schrecklich aus. Die lange Reise hierher nimmt mich immer mit. Aber wenn ich dann angekommen bin, entschädigt mich genau dieser Anblick für alle Strapazen.” Sie zeigte in die Ferne, das Fjord und die gegenüberliegenden Berge, auf deren Spitze noch ein wenig Schnee lag.

“Wo ist Brad?”, fragte Trixi und setzte sich auf den Steg.
“Er musste weg, eine wichtige Interviewanfrage vom People-Magazin, falls Dir das etwas sagt. Ließ sich nicht aufschieben. Er ist kurzerhand nach New York geflogen.”
“Wow!?? People-Magzin! Na klar sagt mir das etwas. Er ist ein echter Megastar, Dein Brad.”
“Mhm.”
“Ich weiß, Dir gefällt das alles nicht. Du hängst lieber Deinem Nikolai nach. Diesem blassen, blonden, langen Typen, der immer so tat, als könne er nicht auf drei zählen. Und dann?”
“Was?”
“Dann serviert er Dich ab ohne ein Wort der Erklärung und heiratet eine feurige Italienerin. Hah, von wegen schüchtern.” Trixi fasste ihre Schwester am Arm. “Und das nach allem, was Du für ihn getan hast.”
“Ach Trixi, jetzt hör schon auf. Du musst nicht ständig auf ihm herumhacken.”
“Täte ich nicht, wenn Du ihn endlich vergessen würdest.”

Lisa wusste, dass Trixi recht hatte. Sie hatte damals ihr ganzes Leben nach Nikolai gerichtet. Meeresbiologie hatte sie studiert, weil sie wusste, dass sie damit in Norwegen gute Aussichten auf einen Job haben würde. Dabei hatte sie sich seit jeher viel mehr für Politik und Jura interessiert. Während des Studiums in Berlin hatte sie in der Gewerkschaft mitgemischt, sich für Arbeitnehmerrechte eingesetzt. Dass ausgerechnet sie sich für Meeresbiologie einschrieb, war bei ihrer gesamten Familie auf Ratlosigkeit gestoßen. Aber die Rechnung war aufgegangen. Mit der Diplomarbeit in der Tasche, hatte sie gleich einen Bombenjob im Nationalen Meeresinstitut in Oslo bekommen. Nur angetreten hatte sie ihn nie.

“Ich wusste gar nicht, dass Du einen neuen Freund hast”, sagte Lisa, um ein anderes Thema anzuschneiden. “Mama sagt, er heißt Franz.”
“Schlechtes Thema. Reden wir lieber über Dich und Brad. Was gibt’s Neues? Wann läuten die Hochzeitsglocken?”
“Hochzeitsglocken? Bist Du von allen guten Geistern verlassen? Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich einen Mann heirate, mit dem ich nicht mal vor die Haustür treten kann, ohne gleich ein Tohuwabohu auszulösen?”
“Daran wirst Du Dich gewöhnen.”
“Nie!”
“Also mir würde das Spaß machen. All die Fotografen und Werbeleute, die sich um ihn reißen. Und das viele Geld, das er verdient. Die Häuser, Autos und die Reisen . . ” Trixi geriet ins Schwärmen. “Ich glaube, es gibt wenig Männer, die Dir ein solches Leben bieten können.”
“Ja, aber . . .”
“. . . Du brauchst das nicht. Ich weiß. Mein Gott Lisa, wach auf! Dein Leben könnte ein Traum sein, wenn Du endlich die alten Zöpfe abschneiden würdest. Fass Dir ein Herz und zieh mit Brad nach Hollywood und vergiss diesen armseligen, unglamourösen Norweger.”

Hier geht’s zur Folge 5 von “Im Fjord der Liebe”

 

Im Fjord der Liebe, Folge 4; ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.

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Eine Antwort

  1. sue
    | Antworten

    Ja, mal sehen wie es weitergeht, wann sie Nikolai wieder trifft und wie es ihm geht mit der feurigen Italienerin und und und…

    LG Sue

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