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Im Fjord der Liebe, Folge 3

Eingetragen in: Im Fjord der Liebe | 4

Oh nein, eine verlorene Liebe! Das kann ein ganz schöner Klotz am Bein (oder an der Seele) sein, wenn man ein neues Leben anfangen will. Lisa trägt diesen Klotz schon seit zehn Jahren mit sich rum. Selbst Filmsuperstar Brad Pott (Ähnlichkeiten sind rein zufällig!) kann da nicht helfen. Mein Gott!

Kitsch, Groschenroman, Liebe, Herzschmerz, Liebesroman, Carola Pigisch, Norwegen, Fjord
Brad liebte seine Popularität. Dennoch gab es Tage, an denen er inkognito bleiben wollte.
abbilder, “Karneval der Kulturen 2011″, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de

“Und, meine Lieben, was wollen wir heute unternehmen?” Gitta Kocher hatte eine unerschöpfliche Energie. Sie war seit sechs Uhr auf den Beinen, hatte bereits Brot geholt und frische Blumen. “Das Wetter ist herrlich. Wir könnten alle zusammen in die Stadt gehen und später in dem kleinen Hafenrestaurant essen. Wisst Ihr noch? Das schnuckelige Häuschen auf der anderen Uferseite, wo man nur mit der Fähre hinkommt.”
“Oh, das ist eine hübsche Idee”, sagte Lisa. “Du wirst sehen, Brad, es ist ein putziges Örtchen, ganz typisch für Norwegen. Und es ist so klein, dass Dich hier sicherlich keiner erkennen wird.”

“Hoffen wir es. Ich nehme für alle Fälle Kappe und Sonnenbrille mit.” Brad selbst versteckte sich nicht gerne, er liebte seine Popularität. Schließlich war das ein Grund gewesen, weswegen er Schauspieler geworden war. Aber Lisa hasste es, wenn er in der Öffentlichkeit an jeder Ecke angesprochen wurde. Nur ihr zuliebe nahm er die klassische Verkleidung mit Sonnenbrille und Hut auf sich.

Brad genoss die Fahrt durch die herrliche norwegische Landschaft. Soweit er sich erinnern konnte, hatte er noch nie so viel frische, grüne Natur gesehen. Selbst im Mittleren Westen der USA, wo er seine Kindheit und Jugend verbracht hatte, war es karger und trockener. Vielleicht war es ja gerade die unverbrauchte Natur, die die Menschen hier so fröhlich machte. Denn fröhlich waren sie, fröhlich und nett.

Der Taxifahrer hatte ihn sofort erkannt. Immer wieder hatte er grinsend in den Rückspiegel geschaut. “Am besten Sie setzen sich eine Sonnenbrille und eine Kappe auf”, hatte er plötzlich gesagt. “Sonst riskieren Sie einen Volksauflauf.”
“Tja, das ist mein Schicksal. Ich hadere nicht damit, aber hier in Norwegen hatte ich geglaubt, ein bisschen inkognito zu sein.”
“Das können Sie vergessen. Die Leute hier sind ganz wild auf Hollywoodschinken. Ich glaube nicht, dass da draußen auch nur ein Mensch ist, dem Brad Pott kein Begriff ist.”
“Also dann”, sagte Lisa und hielt Brad Mütze und Brille hin. “Ab mit Dir in Deinen Undercover-Anzug!”

Tatsächlich schlenderten sie gemütlich und ungestört durch die Straßen. Niemand bemerkte, wer sich hinter dem geheimnisvoll aussehenden Mann verbarg. Lisa war froh, sie wollte ein ganz normales Leben mit Brad an ihrer Seite. Ein einziges Mal hatte sie erlebt, was passierte, wenn die Leute ihn erkannten. Von einer Sekunde auf die andere war damals in Berlin eine Art Ausnahmezustand eingetreten. Sie hatten sich nicht mehr von der Stelle rühren können, kreischende Mädchen waren auf sie zugestürmt, hatten Brad bedrängt, wollten Autogramme und Fotos. Gott sei Dank hatte Lisa schnell reagiert und ihn in ein Cafe an der Straße gezogen. Zusammen waren sie durch den Hinterausgang hinausgerannt und dann durch das Straßenlabyrinth verschwunden. Sie hatte sich gefühlt wie auf der Flucht. Nur ihrer Schwester hatte die Situation gefallen. Wenn es nach Trixi ging, könnte der Rummel nicht groß genug sein. Sie war es auch gewesen, die Lisa mit Nachdruck dazu überredet hatte, sich ein Autogramm von Brad zu besorgen – womit alles begonnen hatte. Sollte Lisa ihr nun dankbar sein oder nicht?

“Ich bin gespannt, ob Trixi heute tatsächlich kommt.” Lisa drehte sich um zu ihren Eltern, die hinter ihnen auf dem Bürgersteig gingen.
“Lassen wir uns überraschen”, sagte Gitta. “Irgendwann wird sie schon ankommen, wir sind ja noch 14 Tage hier.”
“Ich habe schon lange nichts mehr von ihr gehört. Seit sie diesen Daniel hat . . .”
“Daniel?” Gitta war erstaunt. “Liebes, Du bist nicht mehr auf dem Laufenden. Daniel heißt jetzt Franz.”
“Oh”, sagte Lisa nur. Sie war nicht sehr erstaunt. Ihre Schwester wechselte die Männer genauso häufig wie ihre Jobs.

“IIIIIIIIIIIIHHHHHHH!” Das Kreischen war laut und konnte nur eines bedeuten. Lisa war alarmiert. Schon hatte sich eine Menschentraube um Brad gebildet, der ein paar Schritte vor ihnen ging. “Kinder, Kinder, da ist Brad Pott!”, rief jemand. “Oh NEIN!”, ein anderer.
Lisa und ihre Eltern waren stehengeblieben und verfolgten das Spektakel aus sicherer Entfernung. “Was passiert da eigentlich gerade?”, fragte Lisas Vater.
“Was eben passiert, wenn ein Superstar auf der Straße erkannt wird”, sagte Gitta.
“Achso.” Der Vater schien ungerührt. “Wollen wir denn nun in das kleine Restaurant, oder nicht? Ich habe langsam Hunger.”
“Mama, geht Ihr doch schon mal vor”, sagte Lisa. “Brad und ich kommen dann nach.”

Sie sah ihren Eltern hinterher, Neid und ein bisschen Wehmut überkam sie. Die beiden waren schon so lange verheiratet und sie liebten sich immer noch von Herzen. Eine wirkliche Seltenheit, fand Lisa. Sie straffte die Schultern und ging auf die Menschentraube zu. Ein regelrechtes Blitzlichtgewitter ging auf Brad nieder. Aber Lisa hatte kein Mitleid, das war der Preis, den er zu zahlen hatte. Und außerdem hegte sie den Verdacht, dass er diese Situationen liebte und seine Popularität genoss. Er stand in mitten all dieser Menschen und strahlte, die Sonnenbrille im Haar, die Mütze . . ., ja wo war eigentlich die Mütze?

“Lisa, Schatz, komm her!” Brad streckte den Arm aus und winkte ihr. Plötzlich waren sämtliche Augen auf sie gerichtet. “Komm doch”, insistierte Brad. “Die Leute sollen Dich sehen. Ja, schaut nur alle, das ist Lisa, die Frau, die ich liebe!”
Lisa trat von einem Bein aufs andere. Was war nur in ihn gefahren? Warum spielte er ihr so übel mit? Er wusste, dass sie anonym bleiben wollte. Und dass es damit vorbei war, wenn sie einmal mit ihm zusammen abgelichtet wurde. Nein, das wollte sie nicht. Auf keinen Fall. Sie drehte sich um und lief davon.

Hier geht’s zur Folge 4 von “Im Fjord der Liebe”

 

Im Fjord der Liebe, Folge 3; ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.

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4 Antworten

  1. Sabinchen
    | Antworten

    also langsam gewöhne ich mich an norwegen!!! :-D liebste grüße… und bin gespannt wie es weitergeht!

  2. sue
    | Antworten

    So, nun kommt doch bestimmt bald ein Treffen mit Nikolai?????

    LG Sue

    • carola
      | Antworten

      Hi Sue, freu mich, dass Du wieder da bist. LG Carola

  3. HerzVonSchmerz
    | Antworten

    Und auch bei Lisa ist die Ähnlichkeit mir lebenden Personen sicherlich r e i n zufällig, gell?

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