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Im Fjord der Liebe, Folge 25

Eingetragen in: Im Fjord der Liebe | 1

Jetzt kennen Trixi und Lisa fast alle Familienmitglieder der Mörks. Den übermächtigen Vater, Ole, den Schöngeist, Alexa, die vom Vater ausgesuchte Ehefau und Frederik. Von dem wissen wir am wenigsten: Er schwimmt gut und führt Mörk Industries. Mal sehen, was wir noch über ihn erfahren!

Kitsch, Groschenroman, Liebe, Herzschmerz, Liebesroman, Carola Pigisch, Norwegen, Fjord
Lisas Mutter liebte dunkelrote Rosen.
Miatron, “Rosen”, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de

“Vielen Dank, auf Wiedersehen!” Lisa biss in ein Brötchen als sie die Bäckerei verließ und auf die Straße trat. Sie hatte alles erledigt, was die Mutter ihr aufgetragen hatte. Jetzt fehlten nur noch die Blumen. Gitta hatte es gern, wenn immer ein frischer Strauß auf dem Tisch stand, da machte sie keinen Unterschied zwischen Urlaub oder Zuhause.

Ihre Mutter hatte ein bisschen verärgert reagiert, als die beiden Schwestern am späten Vormittag im Ferienhaus angekommen waren. Sie hatte sich Sorgen gemacht und auch die Geschichte, die die beiden über die Familie Mörk zu erzählen hatten, hatte die Mutter nicht besänftigen können. Erst gegen Abend hatte sie sich wieder beruhigt und Lisa hatte ihr angeboten, am nächsten Tag die Einkäufe zu erledigen.

Lisa ging über die Straße und betrat das Blumengeschäft. Die Floristin hatte alle Hände voll zu tun. Lisa sah sich um. Die Rosen waren herrlich im Juni, sie würde 15 Stück nehmen. 15 dunkelrote, die hatte ihre Mutter am liebsten. Lisa schlängelte sich zwischen den Kunden durch zu dem kleinen Tischchen, wo die Rosen standen.

“Na, das ist ja eine Überraschung”, hörte sie hinter sich und drehte sich um.
Mitten im Getümmel stand Frederik Mörk.
“Oh, hallo Frederik.” Lisa merkte, dass sie rot wurde und wandte sich ab.
“Schön, dass ich Dich hier treffe”, sagte Frederik weiter. “Ich wollte nämlich zu Dir.”
“Ach ja?” Lisas Blick war immer noch auf die Rosen gerichtet.
“Du hast Deine Brille bei mir liegen lassen.”
“Meine Brille?” Jetzt sah sie ihn an. “Ich habe keine Brille.”
“Als ich am Abend nach Hause kam, lag eine Lesebrille auf meinem Nachttisch. Sie gehört nicht Dir?”
“Nein.”
“Deiner Schwester vielleicht?” Frederik nahm den Blumenstrauß entgegen, den ihm die Verkäuferin gab. “Danke”, sagte er. Kleine Fresien waren zusammengebunden mit Ranunkeln, dazwischen drei kleine Rosen und wenig Grünzeug. Ein hübscher Strauß, dachte Lisa.

Frederik bezahlte und wandte sich zur Tür. ” Ich warte besser draußen auf Dich”, sagte er über die Köpfe der anderen Kunden hinweg und Lisa nickte. Sie sah ihm nach, als er das Geschäft verließ. Als hätte er es gespürt, winkte er ihr von außen zu und lächelte.

Völlig in Gedanken bestellt Lisa die Rosen für ihre Mutter. Warum traf sie ihn gerade hier? Was hatte es mit dieser Brille auf sich? War sie ein Vorwand, um sich wiederzusehen? Und wenn nicht, wem gehörte sie dann? Alexa? Lisa schüttelte den Kopf. Sie dachte schon wieder viel zu viel nach und sah Gespenster. Anstatt sich über dieses zufällig Treffen zu freuen. Das Herz hatte ihr bis zum Hals geschlagen, als sie seine Stimme gehört hatte.

Frederik stand ein paar Meter weiter die Straße hinunter und betrachtete interessiert ein Schaufenster. Spielzeug gab es dort, wie Lisa beim Näherkommen sah.
“Das würde meinem Bruder gefallen”, sagte Frederik. “Er liebt Modellbaukästen.”
“Ich dachte, Dein Bruder sei tot?”
Frederik schaute sie an. In seinem Blick sah Lisa alles, Schmerz, Verwirrung, Freude und . . . Angst. “Woher weißt Du….?”, flüsterte er und sagte dann schnell: “Ich habe noch einen zweiten Bruder.”
“Und der ist noch ein Kind?” Lisa war neugierig geworden.
“Nein”, sagte Frederik leise und schaute sie lange an. “Aber er ist anders als andere Brüder.”
Lisa runzelte die Stirn. Was wollte er ihr sagen? Wie viele Geheimnisse gab es noch in seinem Leben? Warum schwankte dieser Mann ständig zwischen einer unbändigen Leichtigkeit und Lebensfreude auf der einen und einer tiefen Traurigkeit auf der anderen Seite? Lisa wurde nicht schlau aus ihm.

“Ich verstehe nicht”, sagte sie.
“Mein Bruder ist behindert. Trisomie 21, Down Syndrom, nenn es, wie Du willst.”
“Oh”, sagte Lisa betroffen. “Und wie alt ist er?”
“In drei Wochen wird er 40.”
“Und wo lebt er?”
“Hier ganz in der Nähe hat mein Vater ihm ein Haus gekauft.”
“Er lebt allein?”, fragte Lisa ungläubig.
“Nein, das könnte er nicht. Paula, seine Betreuerin, ist immer bei ihm.”
“Er hat eine Betreuerin?”, fragte Lisa. “Hedwig hat uns erzählt, dass Ihr eine große Familie seid. Gibt es da niemanden, der sich um ihn kümmern kann?”
“Mein Vater will Knut nicht bei sich haben. Er schämt sich für ihn.”
“Mein Gott”, sagte Lisa. Der alte Mörk musste ja wirklich ein furchtbarer Typ sein. Noch gefühlloser und kälter als ihn Hedwig beschrieben hatte. Kein Wunder war Frederik bei ihm ausgezogen.

“Hedwig tratscht gern”, sagte Frederik. “Was hat sie Euch denn noch alles erzählt?”
Lisa wurde rot. Frederiks direkte Art schüchterte sie ein. Er legte ihr den Finger unters Kinn und hob ihren Kopf an. “Kein Grund, verlegen zu werden”, sagte er. “Da drüber ist ein Café.” Er zeigte auf die andere Straßenseite. “Dort können wir uns unterhalten.”
“Ja”, stotterte Lisa. Ihr war heiß. Seine Berührung hatte sie wie ein Stromschlag getroffen.

Hier geht’s zur Folge 26 von “Im Fjord der Liebe”

 

Im Fjord der Liebe, Folge 25; ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.

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Eine Antwort

  1. sue
    | Antworten

    Danke, dass du so fleißig schreibst…Sue

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