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Im Fjord der Liebe, Folge 18

Eingetragen in: Im Fjord der Liebe | 1

So, Frederik Mörk also. Ein Großindustrieller, der nebenbei auch noch was erfindet. Und der nett ist. Und vielleicht auch noch gut aussieht. Was denkt Ihr? Könnte er es sein, der Prince Charming?

Kitsch, Groschenroman, Liebe, Herzschmerz, Liebesroman, Carola Pigisch, Norwegen, Fjord
So mancher ist seinen Troll nie mehr los geworden.
urpils10, “Troll”, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de

“Das hat wunderbar geschmeckt!” Trixi schob den Teller von sich und lehnte sich auf der Bank zurück. “Wenn ich’s genau nehme, war das der beste Lachs, den ich je gegessen habe.”
“Schade, dass die Skrei-Saison schon vorbei ist. Das ist mit Abstand der leckerste Fisch, den Norwegen zu bieten hat.” Frederik Mörk stand auf und räumte die Teller zusammen. “Ich weiß nicht, kennt man den Skrei in Deutschland?”
“Keine Ahnung”, sagte Trixi. “Wir haben ihn jedenfalls schon oft gegessen. Hier in Norwegen.”
“Ach, Ihr seid nicht das erste Mal bei uns?”

“Nein”, jetzt schaltete sich Lisa ein. “Als Kinder sind wir jedes Jahr hier gewesen. Immer im selben Ferienhaus, immer im selben Ort.”
“Welcher Ort ist das?”
“Steinbek, etwa 150 Kilometer von hier.”
“Steinbek?” Frederik Mörk runzelte die Stirn. “Nein, das sagt mir leider nichts.” Er nahm die Teller und ging zur Spüle, wo sich schon einiges Geschirr stapelte. “Ich bin heute noch nicht zum Abwasch gekommen”, sagte er entschuldigend. “Ich war den ganzen Tag im Hafen.”
“Ah, Du bist Fischer”, sagte Trixi und stand auf. “Komm, ich helfe Dir, wo sind denn die Geschirrtücher?”
Frederik Mörk sah sich fragend um, bückte sich dann und kramte in einem kleinen Schränkchen unter dem Fenster. “Hier”, sagte er triumphierend und reckte ein Handtuch in die Höhe. “Ich war längere Zeit nicht hier und meine Haushälterin räumt gerne um.” Er lächelte.

“Du hast eine Haushälterin für dieses kleine Häuschen?” Lisa konnte sich die Frage nicht verkneifen. Sie hatte nicht vergessen, warum sie und Trixi her gekommen waren. Sie wollte mehr erfahren über Frederik Mörk.
“Ohne Hedwig könnte ich nicht überleben.  Ich schaffe es, nach kürzester Zeit ein veritables Chaos zu verbreiten. Wenn sie nicht ab und zu vorbeikäme, dann würde hier keiner mehr durchblicken.” Er ließ Wasser ins Becken und begann, die Gläser abzuwaschen. “Außerdem muss ja einer nach dem Rechten sehen, wenn ich im Ausland bin.”
“Und da bist Du wohl öfter?” Trixi klapperte mit ihren Sandalen über den Terrakottaboden als sie ein Glas in den Schrank räumte.
“Naja, ab und zu. Das bringt mein Job so mit sich.”
“Warum muss denn ein Fischer oft ins Ausland? Anglerkongresse in Neufundland?” Trixi lachte.
“Das ist gar nicht so weit her geholt. In der Tat war ich neulich bei einem Anglertreffen in Neuguinea.”
“Und? Angeln sie dort anders?” Trixi konnte nicht glauben, dass Frederik Mörk die Wahrheit sagte. Der Mann lebte zwar in einem winzigen Häuschen, aber alles andere deutete daraufhin, dass er kein armer Erdenbürger war. Und ganz sicher kein Fischer. Die Keramikplatten auf dem Fußboden waren vom Feinsten. Die Küche musste maßgeschneidert sein, so optimal wie der kleine Raum ausgenutzt war. Elektrische Jalousien an den Fenstern, eine Artdeco-Leuchte über dem Tisch – das konnte sich ein Fischer unmöglich leisten. Sie waren hier richtig, bei Frederik Mörk, dem Reeder – daran hatte Trixi keinen Zweifel.

“Ja, sie angeln dort anders. Aber deswegen war ich nicht dort.”
“Sondern?” Jetzt war auch Lisa aufgestanden. Die Sache wurde spannend. Mit welcher Leichtigkeit Trixi ihm die wichtigen Informationen entlockte. Lisa war beeindruckt.
“Ich habe dort meine Erfindung vorgestellt.” Frederik Mörk lächelte eine wenig verlegen.
“Wow!” Trixi riss die Augen auf und tat überrascht. “Du bist ein Erfinder!! Was hast Du denn erfunden?”
“Eine elektrische Fischreuse, die sich vor allem beim Angeln in Schwärmen bezahlt macht.”
“Oh, das klingt ja seeehr interessant!” Jetzt war Trixi in ihrem Element und nicht mehr zu stoppen. Sie schürzte die Lippen und fuhr sich durchs Haar, trat von einem ihrer hochhackigen Sandalen auf den anderen. Lisa wusste, wenn sie jetzt nicht eingriff, war Frederik Mörk verloren in den Fängen ihrer Schwester.

“Trixi, ich glaube, wir sollten uns langsam wieder auf den Heimweg machen. Meinst Du nicht?”
“Was?” Frederik sah sie entgeistert an. “Ihr wollte heute noch fahren? Das geht auf keinen Fall.”
“Warum denn?”, fragte Lisa. “Das Auto steht nicht weit von hier und 150 Kilometer Fahrt schaffen wir locker noch. So spät ist es nicht.”
“Ich dachte, Ihr hattet eine Panne”, sagte Frederik.
“Naja, nicht gerade eine Panne”, stotterte Trixi. “Lisa ist ein bisschen weit in den Graben gefahren. Aber da kommen wir sicher allein wieder raus.”
“Das glaub ich gerne”, sagte Frederik. “Aber um diese Uhrzeit kann es hier gefährliche werden.”

Trixi und Lisa schauten sich fragend an. Frederik ging zur Tür, öffnete sie einen Spalt und spickte hindurch. Dann drehte er sich um und legte den Finger an die Lippen. Mit der anderen Hand winkte er die beiden Frauen zu sich heran. “Da, schaut!”, flüsterte er.
Trixi drängte sich neben ihn und schaute durch den Türspalt. “Ich sehe nichts”, sagte sie. “Du, Schwesterherz?” Sie trat zur Seite und überließ Lisa ihren Platz. “Nein, ich sehe auch nichts”, sagte Lisa. “Was soll da sein?”
“Pst, pst, leise”, sagte Frederik. “Wenn die Trolle Euch hören, werden sie ziemlich wütend. Die mögen keine Mädchen, die sie heimlich durch Türspalten beobachten.”
“Trolle?!? So ein Blödsinn”, sagte Lisa und schlug die Tür zu.
“Hahaha.” Frederik lachte. “Aber im ersten Moment habt Ihr’s geglaubt, das müsst Ihr zugeben.” Er hob den Zeigefinger. “Im Übrigen ist das gar nicht so lustig. So manch einer hier draußen ist seinen Troll nie wieder los geworden.”
“Pff”, machte Trixi und tippte sich an die Stirn. “Hier oben vielleicht.”

Jetzt mussten sie alle Drei lachen und Frederik Mörk holte eine Flasche Wein aus dem Schuppen. “Ihr könnt hier übernachten. Das ist kein Problem. Ich gebe Euch mein Zimmer und schlafe selbst draußen auf dem Boot.”

Hier geht’s zur Folge 19 von “Im Fjord der Liebe”

 

Im Fjord der Liebe, Folge 18; ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.

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Eine Antwort

  1. sue
    | Antworten

    Wie gut, dass Lisa ihre Schwester dabei hat und wiederum vielleicht auch nicht.

    Aber deine Ideen sind immer so genial……

    Lieb Grüße von Sue

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