Home » Herzschmerz hautnah » Herzschmerz hautnah, Folge 15

Herzschmerz hautnah, Folge 15

Eingetragen in: Herzschmerz hautnah | 2

Gottseidank hat Saskia ihrer Freundin Judith den Kopf zurückgerückt. Die hat ja den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Aber vielleicht ist das so, wenn man aufs Land zurückkehrt. Dort trifft man irgendwie immer Leute die man kennt, oder?

Kitsch, Groschenroman, Liebe, Herzschmerz, Liebesroman, Carola Pigisch, Bayrischer Wald, Kosmetik
Gabriel trat auf den Fußweg. Er hatte es plötzlich sehr eilig, wegzukommen.
Lisa Spreckelmeyer, “Waldweg”, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de

“Judith, das ist ja eine Überraschung!” Gabriel streckte ihr die Hand entgegen. Er schien sich ehrlich zu freuen. “Kommen Sie oft hierher?” “Ja”, antwortete Judith. “Das hier ist mein Lieblingsplatz. Schon als Kind bin ich oft hier oben gewesen. Ich kenne jeden Stein und jeden Strauch.” Sie blickte über den Bayrischen Wald, der vor ihnen lag. “Das Panorama hier oben ist einfach einzigartig.” “Da haben Sie Recht”, sagte Gabriel. “Ich war letzte Woche zum ersten Mal hier. Ein herrliches Plätzchen, eine Freundin hat es mir gezeigt.” “Ja”, sagte Judith. “Ein guter Platz zum Nachdenken. Man hat hier seine Ruhe. Keine Menschen, kein Lärm. Beste Voraussetzungen für Problemlösungen.”

Gabriel sah sie an. “Haben Sie denn Probleme?” Er legte ihr die Hand auf den Arm. “Entschuldigen Sie, ich möchte nicht indiskret sein”, sagte er schnell. “Nein, nein”, antwortete Judith. “Wahrscheinlich hat Vera ohnehin schon die ganze Firma mit meinem Schicksal bekannt gemacht. Die arme Frau, die ihren geliebten Mann bei einem furchtbaren Unfall verlor, oder so ähnlich.” “In der Tat”, sagte Gabriel. “So etwas in der Art hat sie gesagt.” “Natürlich, sie kann es einfach nicht lassen. Aber es stimmt, mein Mann ist in Angola von einer Landmine tödlich verletzt worden. Und das zu verkraften, ist nicht leicht.” “Das verstehe ich”, sagte Gabriel. “Aber in der Firma läuft es doch bestens. Ich meine, Sie haben dieses Spitzenprodukt entwickelt, alle Welt ist  voll des Lobes. Der Erfolg tröstet Sie doch sicher ein wenig über das schreckliche Erlebnis hinweg, oder?”

“Natürlich, und ich genieße es auch. Aber wissen Sie, ein solcher Erfolg bringt auch jede Menge Neider mit sich. Die ersten haben sich schon gemeldet”, sagte Judith. “Wer denn?”, fragte Gabriel ganz unverblümt. “Naja”, sagte Judith. “Es gibt Gerüchte, dass irgendjemand die Zauberformel an die Konkurrenz verraten hat?” “Pfff”, machte Gabriel und lachte. “Wer sollte denn so etwas tun? Das ist doch absurd. Außerdem kennen die Zauberformel nur ganz wenige Mitarbeiter.” “Wer kennt sie denn?” Dieses Mal fragte Judith ganz unverblümt. “Also, ich kenne sie”, sagte Gabriel. “Der Seniorchef kennt sie, obwohl er sicherlich nicht viel damit anfangen kann.” Gabriel musste lachen. “Er hat vielleicht Ahnung von Mineralwasser, aber nicht von Chemie.” Judith sah ihn fragend an. “Nur zwei Personen?” “Der Chef, ich und der alte Hasenmeyer. Drei.”, antwortete Gabriel. “Und wer ist der alte Hasenmeyer?”, fragte Judith. “Er war bis vor kurzem Laborleiter. Jetzt ist er in Rente”, sagte Gabriel. “Sonst noch jemand?”, fragte Judith noch einmal. “Nein”, sagte Gabriel. “Das sind alle. Außer. . .” Gabriel sah auf den Boden.”Außer?”, fragte Judith nach. “Ach, nichts.” Gabriel stand auf. “Gabriel, bitte. Wenn da noch jemand ist, der die Formel kennt, sagen Sie es mir. Falls das Gerücht stimmt und die Formel wirklich bei der Konkurrenz gelandet ist, dann geht es am Ende auch um Ihren Job.” Judith fasst Gabriel am Arm. “Das muss Ihnen doch klar sein!”

“Ich muss jetzt gehen”, sagte Gabriel. “Ich habe Ihnen alles gesagt, was ich weiß.” Er trat auf den Fußweg. “Passen Sie auf beim Abstieg”, sagte Judith. “Im unteren Drittel ist ein ganz gemeines Loch im Weg. In der Dämmerung sieht man es kaum.” “Ja, ich weiß”, antwortete Gabriel im Gehen. “Vera hat sich gestern hier den Fuß verknackst.” “Vera?”, fragte Judith. “Waren Sie mit Vera hier oben? Ich wusste gar nicht, dass Sie beide sich persönlich kennen.” “Ja”, sagte Gabriel. “Sie hat mich auf einen Spaziergang eingeladen. Und ich muss sagen, es war sehr nett.”

Hier geht’s zur Folge 16 von “Herzschmerz hautnah”

 

Herzschmerz hautnah, Folge 15, ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.

Share on Google+Tweet about this on TwitterShare on FacebookPin on Pinterest

2 Antworten

  1. sue
    | Antworten

    Seufz. Sue

  2. bea
    | Antworten

    Ah, jetzt kommts raus.

Deine Gedanken zu diesem Thema