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Herzschmerz hautnah, Folge 12

Eingetragen in: Herzschmerz hautnah | 2

War doch klar, oder? Vera, die Schlange, muss wieder alles zunichte machen. Aber solche Frauen gibt es. Die mit ihrem Leben unzufrieden sind und anderen nix gönnen. Hoffentlich lässt Judith sich davon nicht beeinflussen!

Kitsch, Groschenroman, Liebe, Herzschmerz, Liebesroman, Carola Pigisch, Bayrischer Wald, Kosmetik
Judith wünschte sich nichts mehr, als endlich aus den Pumps rauszukommen.
persönchen, “NasseFüße”, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de

„Vielen Dank meine Damen und Herren! Vielen Dank!“ Sunny Breimeier war ganz in seinem Element. Er wandte sich nach rechts und nach links, legte beide Hände zusammen und hob sie in Siegerpose nach oben. Der Applaus wollte nicht enden und Judith fühlte sich mit jeder Minute unwohler. Wann war das endlich vorbei? Jetzt legte Breimeier Junior einen  Arm um sie und den anderen um Nick. „Diese Beiden haben es geschafft!“, sagte er. „Sie machen die Breimeier OHG  zu einer Weltfirma.“ Der Junior liebte das Rampenlicht und jetzt mit der neuen Pflegelinie an die Öffentlichkeit zu gehen, war vermutlich der schönste Moment in seinem bisherigen Leben. Die Presse jubelte ihm zu, die Kunden waren beeindruckt. Und es war ja wahr:  Breimeier hatte diesen Erfolg Judith und Nick zu verdanken. Sie hatte ein Spitzenprodukt entwickelt und er hatte mit einer beispiellosen Kampagne dafür gesorgt, dass alle Welt davon erfuhr. Sunny Breimeier war im Glück.

Judith hoffte inständig das Ende der Veranstaltung herbei. Sie war vollständig erschöpft. Fast zwei Stunden hatte sie auf der Bühne gestanden und erzählt, warum ‘La Douceur d’eau’ eine völlig neuartige Hautpflege war, warum sie schneller und besser wirkte als andere. Sie hatte die Vorzüge des Bachhäuser Wassers erläutert, das Geheimnis aber nicht verraten. Sie hatte Fragen beantwortet und Zweifel zerstreut. Jetzt wollte sie nur noch raus aus ihren Pumps und dem unbequemen Kostüm. Beides hatte sie sich eigens für diesen Tag gekauft, sie war sogar noch beim Friseur gewesen und hatte ihr Haar nach langer Zeit wieder in Form bringen lassen. Breimeier hatte ihr anerkennend zugenickt, als er ihr am Morgen im Treppenhaus begegnet war.

Auch Nick war ihre Veränderung aufgefallen. Er hatte immer wieder zu ihr hingeschaut, aber sie hatte seine Blicke nicht erwidert. Seit einer Woche ignorierte sie ihn völlig. Natürlich hatte er sie nach ihrem gemeinsamen Abend angerufen, mehrfach hatte er es versucht. Aber Judith war nicht ans Telefon gegangen. Was Vera ihr erzählt hatte, war genug, um sich Nick Wanninger aus dem Kopf zu schlagen. Blond sei seine Freundin, hatte Vera gesagt. Blond und sehr hübsch, langbeinig dazu. Sie sei den beiden in der Stadt begegnet. Sehr innig hätten sie ausgesehen. Und warum sollte Judith an Veras Erzählung zweifeln? Sie selbst hatte Nick ja schon mit dieser Frau gesehen.

„Darf ich Sie jetzt noch bitten, mit uns einen Happen zu essen? Wir haben draußen ein kleines Buffet aufgebaut. Kommen Sie bitte und bedienen Sie sich!“ Sunny Breimeier deutete auf die große Tür des Konferenzraums, die in der Zwischenzeit geöffnet worden war. Die Leute strömten hinaus, nach so langer Zeit des Zuhörens wollten sich alle die Beine vertreten.

Judith verließ die Bühne und holte ihre Handtasche. „Judith, bitte. Lass uns reden.“ Es war Nick. „Wir hatten so einen schönen Abend und plötzlich willst Du mich nicht mehr sehen? Wenn ich nur wüsste, warum.“ Judith wandte sich zur Tür. „Lass mich einfach in Ruhe“, sagte sie. „Du bist genau der Typ Mann, für den ich Dich gehalten habe. Locker und oberflächlich. Warte, wie war noch gleich der Begriff? Ach ja, liberalitas badeniae. So hieß es doch, oder?“ Sie ließ Nick einfach stehen und ging hinaus. „Frau Haffner, bitte. Könnten Sie uns noch einige Fragen beantworten?“ Eine junge Frau hielt ihr ein Mikrophon unter die Nase, ein Mann die Kamera vors Gesicht. Wollte dieser Tag denn wirklich nie enden? „Aber gerne“, sagte Judith und lächelte. „Fragen Sie!“

Nick war im Konferenzraum geblieben. Frauen, dachte er sich. Sie waren doch alle gleich. „Hallo Herr Wanninger! So alleine hier?“ Vera betrat den Raum, in einem mehr als offenherzigen Kleid. Sie setzte sich neben Nick. „Ja“, sagte er. „Ich brauche eine kurze Erholung, bevor ich mich wieder ins Getümmel stürze.“ „Judith ist schon draußen“, sagte Vera. „Offenbar braucht sie keine Pause. Ich wusste gar nicht, dass sie so mitteilsam sein kann.“ Nick sah sie fragend an. Vera lächelte und kam näher. „Was ich Sie fragen wollte, Herr Wanninger“, flüsterte sie. „Kennen Sie das neueste Gerücht?“  Nick schüttelte den Kopf.  Veras Mund war nun ganz nah an seinem Ohr. „Angeblich“, tuschelte sie. „Angeblich kennt Clareté unsere Zauberformel.“ „Bitte?“, fragte Nick. „Die Zauberformel? Nein, das kann nicht sein. “ „Doch“, sagte Vera, nun laut, „Irgendjemand muss geplaudert haben.“

Hier geht’s zur Folge 13 von “Herzschmerz hautnah”

 

Herzschmerz hautnah, Folge 12, ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.

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2 Antworten

  1. bea
    | Antworten

    Jaja, so eine Creme könnten wir alle gut gebrauchen. Leider gibts das nur in einem Roman.

  2. sue
    | Antworten

    Oh, Vera diese Schlange, wie kann sie nur so sein…

    Ach ja, ich möchte bitte auch diese Creme!!!

    LG Sue

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