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Herzschmerz hautnah, Folge 10

Eingetragen in: Herzschmerz hautnah | 2

Mein Gott, wie lange dauert das denn noch, bis die beiden endlich bemerken, was da zwischen ihnen ist. Man glaubt es nicht, oder? Aber, wenn ich mir die nächste Folge so ansehe, könnte sich etwas tun. Ihr dürft gespannt sein!

Kitsch, Groschenroman, Liebe, Herzschmerz, Liebesroman, Carola Pigisch, Bayrischer Wald, Kosmetik
Ein romantisches Abendessen – und schon sieht die Welt ganz anders aus.
JürgenWald, “Sekt”, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de

“Wir nehmen einen Aperitif, oder?” Nikolaus Wanninger rückte Judith den Stuhl zurecht. Dann setzte er sich ihr gegenüber. “Vielleicht einen Martini?”, fragte Judith. “Martini auf Eis, ganz klassisch! Prima, nehme ich auch.” Er winkte dem Ober, bestellte die Drinks und sah sich um. “Das Lokal ist hübsch, nicht? Manchmal findet man auf dem Land richtige Perlen. Ich hätte nicht gedacht, dass es hier mitten im bayrischen Wald ein so nettes Restaurant gibt. Und das Essen ist auch sehr gut.” Judith sah von der Speisekarte auf. “A propos”, sagte sie. “Was können Sie denn empfehlen?”

Während er die Karte studierte, betrachtet sie ihn genau – zum ersten Mal seitdem ihre intensive Zusammenarbeit begonnen hatte. Das war jetzt vier Monate her und Nick Wanninger war ihr in dieser Zeit sehr vertraut geworden. Sie kannte ihn gut, wusste, was ihn verärgerte, worüber er sich freute und wie sie den spitzbübischen Ausdruck auf sein Gesicht zaubern konnte. Wenn er sich am Ohrläppchen kratzte, schwindelte er oft, wenn er mit den Schultern kreiste, fühlte er sich unwohl. Und trotzdem wusste Judith nichts von ihm. Nichts von seiner Familie, seinem Leben außerhalb der Firma und seiner Vergangenheit. Er war meist lustig und gut gelaunt, gab aber kaum etwas von sich Preis. Vielleicht, so hatte Judith gedacht, würde er mehr von sich erzählen, wenn sie seine Einladung zum Essen annehmen würde.

“Nun erzählen Sie mal”, sagte Nick Wanninger nachdem sie bestellt hatten. “Jetzt arbeiten wir schon so lange zusammen und ich weiß überhaupt nichts über Sie. Was machen Sie denn, wenn Sie keine Spitzenprodukte entwickeln?” “Tja, eigentlich . . .”, Judith wusste gar nicht, was sie antworten sollte. Was machte sie in ihrer Freizeit? Nicht viel, sie dachte an Frederick und ihre gemeinsame Zeit, wanderte auf den Kaiserstein, ihren selbsternannten Gedenkplatz. Sie musste sich eingestehen, dass sie noch immer in der Vergangenheit lebte – meistens jedenfalls. “Judith?” Nick Wanninger berührte ihren Arm. “Sie machen den Eindruck, als seien Sie ganz weit weg. Wo sind Sie denn?” Judith blickte auf, direkt in seine braunen Augen. “Ach”, sagte sie nur und ihr Lächeln kehrte zurück. “Nein, erzählen Sie doch lieber. Es wird Zeit, dass ich ein bisschen mehr über Sie weiß. Sie sind für mich immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Und nicht nur für mich. Auch für die Kollegen.”

Nick lachte. “Ja, das stimmt. Aber ich bin dafür, Berufliches und Privates strikt zu trennen. Ich weiß, dass mir das manche Kollegen übel nehmen und mich für einen komischen Typen halten. Aber das ist mir egal. In der Firma muss niemand wissen, was ich nach Feierabend mache.” Judith sah ihn an. “Gut”, sagte sie und lachte. “Dann bleibt allerdings nicht viel, worüber wir heute Abend reden können.” Zum Glück kam der Ober und brachte die Suppe. Während sie aß, machte Judith einen weiteren Versuch. “Sie stammen nicht aus dem bayrischen Wald, oder?” Nick wischte sich den Mund an der Serviette ab. “Nein, ich komme aus dem Südbadischen. Dort, wo der Wein gut ist und Frankreich ganz nah.” “Das muss einen schöne Gegend sein”, sagte Judith. “Ich war noch nie dort.” “Es ist so ganz anders als hier”, antwortete Nick. “Die Luft ist fast mediterran, warm und würzig, und überall herrscht die liberalitas badeniae.” “Die was?”, fragte Judith. “Die badische Freizügigkeit. Wir lassen es locker angehen, sind nicht so pflichtbewusst wie Ihr Bayern. Und wissen Sie was?” Er sah Judith herausfordernd an. “Es läuft trotzdem alles bestens.” “Das glaube ich Ihnen”, sagte Judith. Genauso hatte sie Nikolaus Wanninger kennengelernt. Cool, locker, immer spontan, aber auch sehr effektiv – und oberflächlich. “Ich glaube, Judith”, sagte er plötzlich. “Sie machen einen Denkfehler. Nicht jeder, der locker ist und Fünfe mal grade sein lässt, ist gleich ein oberflächlicher Wicht. Wissen Sie, Sie sind eine bemerkenswerte Frau. Immer gelassen, unaufgeregt, großartig in der Analyse. Wie Sie die neue Pflegelinie entwickelt haben, wirklich mit Bravour. Ich habe selten jemanden gesehen, der sich in den chemischen Prozessen der Natur so exzellent auskennt.” Nick Wanninger nickte anerkennend und legte seine Hand auf die von Judith. Sie ließ sich nicht anmerken, was die Berührung in ihr auslöste. Nick sah ihr tief in die Augen. “Wirklich”, sagte er. “Sie sind eine bemerkenswerte Frau.”

Hier geht’s zur Folge 11 von “Herzschmerz hautnah”

 

Herzschmerz hautnah, Folge 10, ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.

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2 Antworten

  1. Bea
    | Antworten

    Was hab ich gesagt? Du lässt uns auch ganz schön zappeln! Was wird nun werden? Spann uns bitte nicht länger auf die Schulter! LG bea

  2. sue
    | Antworten

    Ja, nun aber….

    aber wenn er nix erzählt…

    seufz

    so, dann mal ganz schnell die nächste Folge bitte

    Sue

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