Home » Grandhotel Herz » Grandhotel Herz, Folge 5

Grandhotel Herz, Folge 5

Eingetragen in: Grandhotel Herz | 0

Da bin ich aber mal gespannt, wer hier wen heiratet, Ihr auch? Lest einfach die nächste Folge.

Kitsch, Groschenroman, Liebe, Herzschmerz, Liebesroman, Carola Pigisch, Wien, Grandhotel
Heute trug die Gräfin ein blasslila Kleid.
KronMon, “Clematis”, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de

“Jetzt aber mal im Ernst, mein Junge. Wie lange wollt Ihr denn noch warten? So eine Hochzeit will vorbereitet sein, das ist ein Haufen Organisationskram und der braucht Zeit.” Paul von Ludenhoff hatte sich vorgenommen, seinem Sohn ins Gewissen zu reden. Nicht etwa, um die Hochzeitspläne voranzutreiben. Nein, er mochte Elisabeth nicht, hielt sie für eine überkandidelte, überspannte Adlige, die seinen Sohn nicht wirklich liebte, sondern dessen Stellung in der Gesellschaft zu nutzen suchte. Er hatte eigentlich vor, Max mit seinen Vorstößen ein wenig in die Enge zu treiben und ihm so die Augen zu öffnen. Ob dies klappen würde, wusste er nicht.

“Jetzt fängst Du auch noch an, Vater!” Max reagierte unwirsch. Er konnte es überhaupt nicht leiden, wenn sein alter Herr Privatangelegenheiten vor dem Personal ansprach. Die Damen hinter der Rezeption spitzten schon die Ohren. So jedenfalls schien es Max.
“Komm”, sagte er und zog seinen Vater vom Tresen weg.
“Red’ bitte ein wenig leiser”, herrschte er ihn an. “Muss doch nicht jeder mitkriegen, dass Du mich zur Hochzeit drängst.”
“Max, bitte. Elisabeth und Du, Ihr kennt Euch so lange. Es wird Zeit, die Leute reden schon. Bankier von Hirsau hat mich erst neulich recht spitz gefragt, wie es denn nun aussehe. Wenn Ihr Euch nicht zum Gespött machen wollt, solltet Ihr so bald wie möglich vor den Traualtar treten.”
“Vater, Du weißt so gut wie ich, dass in spätestens einem Monat hier die Hölle los sein wird. Mir steht der Kopf wahrlich nicht nach Menüauswahl und Blumenschmuck. Vor Herbst wird es nichts werden mit einer Hochzeit. An diesen Gedanken wirst Du Dich gewöhnen müssen. Und jetzt will ich nichts mehr davon hören. Du entschuldigst mich?”

Ehe Paul von Ludenhoff sich’s versah, lief Max die Treppe hinauf, zwei Stufen auf einmal nehmend. Der alte Herr sah ihm nach. Er war ein gut aussehender Bursche, sein Sohn. Groß, schlank, drahtig, die dunklen Haare nach hinten gekämmt, immer teuer, aber dennoch lässig gekleidet. Paul von Ludenhoff wunderte sich, warum in all den Jahren nie eine andere Frau aufgetaucht war, die Max interessant gefunden hätte. Es tat ihm in der Seele weh, dass sein Sohn sich mit einer zweiten Wahl zufrieden gab.

“Chef, gut, dass Sie da sind!” Von Ludenhoff drehte sich um. Vor ihm stand Johann, wie immer in einer tadellosen Livree. Obwohl sein Platz vor der großen Glastür des Hotels war, hatte er die Eingangshalle betreten.
“Johann, was gibt es denn?”
“Gräfin Gurlitza ist eben angekommen. Ich kann Ihren Sohn nirgends finden. Könnten Sie vielleicht . . . ? Die Gräfin schätzt es sehr, persönlich begrüßt zu werden.”
“Aber klar, Johann. Natürlich, ich komme.” Paul von Ludenhoff folgte dem Portier nach draußen, wo die Gräfin und ihr Gefolge bereits im Anmarsch waren.

“Herr von Ludenhoff”, rief die Gurlitza. “Wie schön, Sie zu sehen.”
“Durchlaucht”, sagte Paul, “ich freue mich, Sie bei uns begrüßen zu dürfen. Wie geht es Ihnen?” Er nahm ihre Hand und deutete einen Handkuss an.
“Bis auf meine Hüfte ist alles bestens”, sagte die Gräfin und hakte sich bei Paul von Ludenhoff unter. Galant führte er sie an Johann vorbei in die Eingangshalle des Hotels. Heute trug sich ein blasslila Kleid und den passenden, ausladenden Hut. Dass sie von legerer Kleidung nichts hielt, daran ließ die Gräfin keinen Zweifel. Sie kleidete sich nach wie vor wie im vorvorigen Jahrhundert. Das, darüber war sich selbst die Gräfin im Klaren, konnte man sich nur in Wien erlauben, ohne für verrückt gehalten zu werden. Das kleine, mit Perlen bestückte Täschchen wippte an ihrem Arm und berührte bei jedem Schritt Paul von Ludenhoffs Arm.

“Selbstverständlich haben wir die Premiersuite für Sie reserviert, gnädige Frau”, sagte Paul. “Nehmen Sie doch kurz Platz. Ich sorge dafür, dass alles zu Ihrer Zufriedenheit sein wird.”
“Danke, vielen Dank”, sagte Gräfin Gurlitza und ließ sich unter leisem Stöhnen in einen der großen roten Sessel am Fenster fallen. “Alt werden ist einfach ein Mist. Kein Tag vergeht, an dem es nicht irgendwo anders zwickt. Gut, dass mein Anton, das nicht mehr mitkriegt.”
Der Hotelier lachte höflich. “Durchlaut, da kann ich Abhilfe schaffen. Ich habe etwas, das garantiert gegen die täglichen Zipperlein hilft.”
“Na, da bin ich aber gespannt, Herr von Ludenhoff.”
“Ein guter Marillenschnaps und Sie merken Ihre Hüfte nicht mehr. Wetten?”
“Sie als Gentlemen müssten eigentlich wissen, dass eine Dame niemals wettet”, sagte sie und hob mahnend den Zeigefinger. “Gegen ein Schnäpschen allerdings hätte ich nichts einzuwenden.” Jetzt schmunzelte sie. Es war ein altes Spiel, dass sie seit Jahren bei ihrer Ankunft im Hotel spielte. Mal mit Johann, mal mit Max und manches Mal eben auch mit dem Chef.

“Kommt sofort”, sagte Paul von Ludenhoff und ging zur Rezeption, um die Formalitäten zu erledigen.

Hier geht’s zu Folge 6 von “Grandhotel Herz”.

Grandhotel Herz, Folge 5; ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.

Share on Google+Tweet about this on TwitterShare on FacebookPin on Pinterest

Deine Gedanken zu diesem Thema