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Grandhotel Herz, Folge 34

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"Du kleines Miststück, ich weiß ganz genau, dass Du in den Umschlag geschaut hast", sagte Elisabeth.
“Du kleines Miststück, ich weiß ganz genau, dass Du in den Umschlag geschaut hast”, sagte Elisabeth.

Mitzi schlich über den Hotelflur. Seit sie am Morgen so unverhofft auf Max getroffen war, fühlte sie sich nicht mehr wohl. Am liebsten vergrub sie sich in den Zimmern und betrat den Gang nur, um von einem Raum in den anderen zu gelangen.

Sie hatte geglaubt, ihr Herz bliebe stehen, als er ihr plötzlich in die Augen gesehen hatte. Natürlich hatte sie damit gerechnet, dass sie sich irgendwann im Hotel begegnen würden. Aber dann . . . als es Wirklichkeit war . . . so ganz dicht vor ihr. Sie war wie versteinert gewesen, hatte kaum ein Wort sagen können. Noch immer schüttelte es sie bei dem Gedanken an dieses Aufeinandertreffen.

Mitzi schob den Wäschewagen weiter bis zu Nummer 205. Sie schloss auf, betrat das Zimmer und setzte sich auf das Bett. Hoffentlich kam die Reitinger jetzt nicht, aber Mitzi musste kurz Luft holen. Sie musste solche Zusammentreffen mit Max in Zukunft verhindern, sonst würde sie keinen glücklichen Tag mehr verleben. Sie brauchte einen anderen Job.
“Sagen Sie mal, sind Sie nicht zum Arbeiten hier? Was sitzen Sie denn da herum?”
Elisabeth von Krumau betrat den Raum und war sofort im Bilde. Kurze Pausen während der Arbeitszeit, das duldete sie nicht. Obwohl die Freifrau nicht ihre Chefin war, sprang Mitzi schuldbewusst auf und begann, das Bett zu machen. Allein die Präsenz dieser Frau schüchterte sie ein.

“Entschuldigen Sie bitte, Freifrau. Ich fühlte mich ein wenig schwach. Da habe ich mir erlaubt, Platz zu nehmen.”
“Da haben sie sich zu viel erlaubt, Fräulein . . .?”
“Pichler, Freifrau, Mitzi Pichler”, sagte Mitzi und ertappte sich dabei, wie sie einen Knicks andeutete.
“Ach ja, Fräulein Mitzi. Waren Sie nicht diejenige, die ich gestern hier auf dem Hotelflur getroffen habe?”
“Ich erinnere mich nicht . . .”, log Mitzi.
“Natürlich. Das waren Sie, ohne Zweifel. Sie liefen mit Ihrem Wäschewagen vor mir her. Ich nehme an, das Gespräch, das ich mit meinem Begleiter führte, ist Ihnen nicht entgangen.”
“Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.” Der drohende Unterton Elisabeths riet zur Vorsicht.
“Herzchen, jetzt spielen Sie nicht die Unschuldige. Sie kamen aus Zimmer 201, gerade als ich mit Franz Kastlhuber über den Flur lief. Was hatten Sie da drin zu suchen? Das Zimmer war doch überhaupt nicht bewohnt.”

Hätte Mitzi Elisabeth besser gekannt, wäre ihr die Unsicherheit der Freifrau aufgefallen. Nie hätte Elisabeth den Fehler begangen, Franz Kastlhuber mit Namen zu nennen. Aber die Freifrau war aufgewühlt und unkonzentriert.
“Auf meiner Liste war es als vermietet gemeldet, deshalb bin ich hineingegangen, um es zu putzen”, verteidigte sich Mitzi.
“Und was haben Sie vorgefunden?”
“Nichts. Das Zimmer war in der Tat unbewohnt.”
“Ganz sicher?”
“Ja”, sagte Mitzi ein wenig unsicher. Natürlich erinnerte sie sich an den braunen Umschlag, der auf dem Bett gelegen hatte. Aber ihr Bauchgefühl riet ihr, ihn nicht zu erwähnen.

“Was war mit dem Bett?”, fragte Elisabeth weiter.
“Das Bett war nicht benutzt. Das sagte ich doch schon.”
“Sie haben nichts gesehen?”
“Nein. Das Zimmer war tiptop aufgeräumt.”
“Auf dem Bett lag ein brauner Umschlag”, sagte Elisabeth jetzt.
“Achso, der Umschlag!” Mitzi änderte ihre Strategie. “Ja, den habe ich gesehen.”
“Und?”
“Ich verstehe nicht . . .”
“Haben Sie hineingeschaut?”
“Freifrau, ich bitte Sie!” Mitzi tat empört. Mittlerweile war ihr klar, dass Elisabeth mächtig unter Druck stand und um jeden Preis erfahren wollten, wie viel sie wusste. Offenbar war die kleine Übereinkunft mit Kastlhuber nicht ganz lupenrein.
“Herzchen, halten Sie mich nicht für dumm. Sie sind allein im Zimmer, ein dicker Umschlag auf dem Bett. Da erscheint es mir ganz naheliegend, mal einen Blick hineinzuwerfen.”
“Freifrau, Sie scheinen zu vergessen, wo wir hier sind.” Mitzi fand Spaß daran, die verhasste Verlobte von Max zurecht zu weisen. “Als Zimmermädchen im Grandhotel Herz bin ich loyal und integer. Das ist eine Selbstverständlichkeit.”
“Ich weiß nicht, ob Frau Reitinger davon so überzeugt ist. Gerade in Ihrem Fall . . .”
“Was soll das denn bedeuten?”
“Na, man hört ja so einiges über Sie und den Sohn des Hoteliers. Den Mann, den ich bekanntlich morgen heiraten werde.”

Mitzi gab sich geschlagen. Die Erinnerung daran, dass Max in kurzer Zeit für immer vergeben sein würde, erfüllte sie mit großer Traurigkeit. Elisabeth spürte ihre zurückgewonnene Überlegenheit und ging auf Mitzi zu. Ganz nah war ihr Gesicht.
“Du kleines Miststück, ich weiß ganz genau, dass Du in den Umschlag geschaut hat. Leute wie Du suchen überall nach Dingen, die Ihnen nützlich sein können”, sagte sie verächtlich und trat wieder einen Schritt zurück. “Aber wenn Du ein Wort sagst, dann wird die Reitinger in kurzer Zeit allen Grund haben, Dich zu feuern.”
Mitzi lief es eiskalt den Rücken hinunter. Nur mit halbem Auge sah sie, wie sich die angelehnte Zimmertür langsam öffnete.

“Ach wirklich, Elisabeth? Die Gründe würde ich gerne kennen. Aber was mich noch viel mehr interessiert: Worüber soll Mitzi nicht sprechen?” Max Ludenhoff stand plötzlich im Zimmer.

Hier geht’s zu Folge 35 von “Grandhotel Herz”.

Grandhotel Herz, Folge 34; ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.

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Eine Antwort

  1. Sue
    | Antworten

    Du bist so gut, ndlich gibt es Licht am Ende des Tunnels. Sue

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