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Grandhotel Herz, Folge 12

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So, die Pfingstferien sind vorüber, vielleicht habt Ihr jetzt wieder mehr Zeit zu lesen. Ich hab in den zwei Wochen ziemlich viel geschrieben. Jetzt geht’s weiter mit Folge 12.

Kitsch, Groschenroman, Liebe, Herzschmerz, Liebesroman, Carola Pigisch, Wien, Grandhotel
In der VIP-Lounge hatten Elisabeths Eltern einen wunderbaren Blick auf die Rennbahn.
Kanegen, “Talking…”, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de

Max lief über den grünen Rasen der Rennbahn. Es war voll, jede Menge Menschen drängelte sich vor den Ständen, an denen es feine Lachs- und Kaviar-Häppchen, Champagner und teure Zigarren gab. Ein Rennen, das Elisabeth veranstaltete, wurde zwangsläufig ein Erfolg. Schon immer war sie zielstrebig, ehrgeizig und detailversessen gewesen und wie Max wusste, waren das die besten Voraussetzungen für das Gelingen von Großveranstaltungen. Heute ritt Elisabeth sogar selbst mit – und war natürlich die haushohe Favoritin. Der Grund, warum Max gekommen war.

“Max, wie schön.” Bernd, Elisabeths Bruder kam über den Rasen gelaufen. “Das ist ja eine Überraschung. Elisabeth wird sich freuen, Dich hier zu sehen.”
Max lächelte. Bernd war ein netter Kerl, klein, ein wenig untersetzt und seiner Schwester treu ergeben. Wie die ganze Familie. Immer hatte er im Schatten von Elisabeth gestanden und Max wunderte sich, dass Bernds Anbetung der Schwester mit zunehmendem Alter nicht ins Gegenteil umgeschlagen war.
“Komm doch mit”, sagte Bernd. “Wir haben einen guten Platz auf der Tribüne, mit wunderbarem Blick auf die Rennbahn. Mama und Papa sind auch da.”

Die Aussicht, Elisabeths Eltern zu treffen, gefiel Max ganz und gar nicht. Bodo und Freya von Krumau stammten aus altem Adel und hatten einen unvergleichlichen Dünkel. Zu Anfang hatten sie tatsächlich darauf bestanden, dass Max sie mit “Durchlaut” ansprach. Erst nach vielen Jahren erlaubten sie ihm eine normale Anrede mit “Herr” und “Frau”. An ein “Du” war auch heute noch nicht zu denken.

“Gut”, sagte er. “Ich hole mir kurz was zu trinken, dann komm ich.”
“Quatsch. In der VIP-Lounge gibt es genug Flüssiges. Komm, Du bist selbstverständlich unser Gast.” Bernd schob ihn vor sich her. “Wir müssen uns beeilen, sonst verpassen wir Elisabeths Ritt.” Er zeigte auf einen kleinen Durchgang bei der Haupttribüne und brüllte gegen den Lärm Max ins Ohr: “Da vorne müssen wir rein.”

Ein bulliger, missmutig dreinschauender Sicherheitsmann stand vor der Schranke. “Herr Ludenhoff ist unser Gast”, sagte Bernd im Vorbeigehen. Der Bullige nickte nur und öffnete die kleine Schranke mit einer knappen Handbewegung. Bernd und Max gingen hindurch. Sie stiegen eine kleine Holztreppe hinauf.

“Max, mein Gott, wie lange haben wir uns nicht gesehen?” Freya von Krumau stürzte auf ihn zu, streckte beide Arme aus und küsste zweimal die Luft neben seinen Wangen. Max roch ihr teures Parfum, das sich mit dem Duft von Haarspray vermischte. Sie hatte immer noch dieselbe helmgleiche Betonfrisur, mittlerweile in quittengelb.
“Freifrau, die Freude ist ganz auf meiner Seite. Fantastisch sehen Sie aus.” Max staunte über sich selbst, wie leicht ihm die Lüge über die Lippen kam.
“Hallo Freiherr”, sagte er. Bodo von Krumau kam hinter seiner Frau zum Vorschein und Max reichte ihm die Hand.

“Ein Gläschen Champagner zur Feier des Tages, Max?”
“Gerne.” Alkohol würde ihm den Aufenthalt sicher leichter machen. In einem Zug trank er das Glas halbleer, die erwünschte Wirkung setzte jedoch nicht sofort ein.
“Elisabeth ist am Start”, rief Bernd plötzlich und alle wandten sich zum großen Panoramafenster. Elisabeth ritt auf Sansibar, einem jungen Araberhengst. Er war nicht ihr Lieblingstier, wie Max wusste, aber für ein Rennen wie dieses umso geeigneter. Der Startschuss ertönte, Sansibar lief los und hängte die anderen sofort ab. Der Hengst sah aus, als mache er einen Spaziergang, während die anderen Pferde vor Anstrengung keuchten.
“Ha, seht nur!”, rief Bodo. “Unser Mädchen ist ein Flintenweib. Setzt sich gleich an die Spitze.” Vor Freude schlug er Max auf die Schulter, dass der sich beinahe am Champagner verschluckte. Er hatte bereits das dritte Glas geleert und langsam lockerte sich seine Stimmung. Elisabeths Familie ließ sich jetzt leichter ertragen.

Wie einfach war dagegen das Zusammensein mit Mitzi Pichler gewesen. Max’ Gedanken kehrten zum gestrigen Vormittag zurück, er sah sich mit ihr in seinem Büro sitzen und Marillenschnaps trinken. Er hatte sich sehr wohl gefühlt und war so guter Laune gewesen wie schon lange nicht mehr. Sofort hatte er erkannt, dass diese junge Frau keines der Zimmermädchen war, die sonst im Hotel arbeiteten. Eines wie Gabriella, die sich seinen Bruder gekrallt hatte. Mitzi hatte nicht mädchenhaft gekichert wie all die anderen, wenn sie plötzlich erfuhren, wer er war. Für ein Zimmermädchen war sie viel zu reif, zu ernsthaft gewesen, hatte sich viel zu viele Sorgen um ihren Job gemacht. Wie gerne hätte er ihr über die Wange gestreichelt und sie getröstet als sie der Gedanke an die alte Reitinger hatte verzweifeln lassen. Max musste schmunzeln: Die Reitinger war aber auch ein Drachen, das wusste er, auch wenn sie ihm gegenüber immer sehr freundlich war. Nicht nur Mitzi hatte Angst vor ihr, vielleicht sollte er die Alte demnächst zur Rede stellen.

“Elisabeth hat gewonnen, mein Gott, Freya! Unser Kleine ist schon eine Reiterin vor dem Herrgott, oder?” Bodo von Krumau war völlig aus dem Häuschen. Das Rennen war zu Ende, Elisabeth hatte alle anderen um Längen geschlagen. Sie war die Siegerin des Tages, alle würden sich nun um sie reißen. Elisabeth würde hoch zu Ross durch die Menge reiten, lächelnd ihre Gunst unter all den wichtigen Leuten verteilen. Nur ihn, ihn würde sie sicherlich nicht sehen. Falls doch, würde sie ihm höchstens einen ihrer Hab-ich-Dir-doch-gesagt-Blicke schenken. Darauf hatte Max keine Lust.

“Bitte entschuldigen Sie”, sagte er laut in die allgemeine Glückseligkeit und stellte sein Glas auf den Tisch. “Aber ich muss los. Dringende Geschäfte, Sie wissen schon.”
“Natürlich! Wer heutzutage ein Hotel zu leiten hat, dem wird nichts geschenkt. Mach’s gut Max, schön, dass Du da warst.” Vor lauter Freude über den Sieg seiner Tochter, ließ der Freiherr allen Anstand fahren und drückte Max fest an sich. Freya von Krumau lächelte indigniert und hob die Hand zu einem kaum merklichen Winken. Max ging die Treppe hinunter, nickte dem Bulligen kurz zu und verließ schnell das Rennbahngelände. Er wollte auf keinen Fall, dass Elisabeth ihn doch noch entdecken würde.

Auf dem Weg zu seinem Wagen tauchte wieder Mitzis Bild vor ihm auf. Das dunkle Haar, zum lässigen Knoten aufgeschlungen, die feine Nase und der knitze Zug um ihren Mund. Fröhlich schloss Max die Tür zu seinem Auto auf.

Hier geht’s zu Folge 13 von “Grandhotel Herz”.

Grandhotel Herz, Folge 12; ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.

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Eine Antwort

  1. Sue
    | Antworten

    Und dann, was passiert dann????? Ach, du kannst es , uns auf die Folter spannen ;). Sue

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