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Grandhotel Herz, Folge 11

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Endlich, endlich ist der Sommer da. Die Sonne scheint, es ist herrlich warm, genau das richtige Wetter, um sich’s im Liegestuhl bequem zu machen und Groschenromane zu lesen. Heute geht’s weiter mit Folge 11.

Liebe, Kitsch
Jetzt aber los! Das Glas muss geleert werden.

“Mein Gott, Mitzi! Jetzt machen Sie doch nicht so ein Gesicht. Trinken Sie dieses Gläschen ex und gleich wird es Ihnen besser gehen.” Max Ludenhoff prostete ihr zu und leerte sein Glas auf einen Zug.

Mitzi sah ihn an. Sie wurde nicht schlau aus dem Hotelierssohn. Er war nett und zuvorkommend, hatte sie, obwohl nur Zimmermädchen, mit in sein Büro genommen und ihr einen Stuhl angeboten. Die Flasche Marillenschnaps stand auf dem Büffet direkt unter dem Ölgemälde eines älteren Mannes in Uniform und mit Säbel. “Mein Ururgroßvater”, hatte Max Ludenhoff den Herrn vorgestellt. “Das Bildnis stammt aus Zeiten der K&K-Monarchie, da hat man noch mit dem Säbel gerasselt.” Und er hatte gelacht. Laut, aber nicht zu laut, und seine blauen Augen hatten dabei getanzt.

Jetzt stand er vor ihr, an den alten Eichenschreibtisch seines Büros gelehnt, die Arme vor der Brust verschränkt. Wieder lachte er. “Sie sehen aus wie drei Tage Regenwetter. Dabei ist doch gar nichts passiert.”
“Sie haben leicht reden”, sagte Mitzi. “Sie müssen sich nicht vor Frau Reitinger rechtfertigen. Sie hat sicherlich längst gemerkt, dass meine Zimmer nicht fertig sind. Sie hat mich ohnehin auf dem Kieker, am besten packe ich gleich meine Sachen und verschwinde.”

Max grinste nur und ging um den Schreibtisch herum. Er setzte sich in den bequemen Sessel und lehnte sich ein wenig nach vorne, wie um sie besser sehen zu können. “Das werden wir gleich haben”, sagte er und nahm den Telefonhörer ab. “Ja, hallo, Frau Reitinger. Hier ist Max Ludenhoff. Ich hätte eine Bitte: Schicken Sie doch Sandrine in den zweiten Stock. Die linke Hälfte muss noch gemacht werden.”
Mitzi hörte, wie Frau Reitinger am anderen Ende schimpfte.
“Ja, ich weiß. Aber Fräulein Pichler sitzt im Moment hier bei mir und kann die Zimmer nicht fertigmachen. Sandrine soll einspringen.” Ehe Frau Reitinger antworten konnte, hatte Max aufgelegt.

“Danke”, sagte Mitzi und meinte es ehrlich.
“Gerne.” Er sah sie erwartungsvoll an, aber Mitzi wusste nichts mehr zu sagen. Sie schaute betreten auf ihre Hände, die sie brav in den Schoß gelegt hatte.
“Sie sehen gar nicht aus wie ein Zimmermädchen”, sagte Max unvermittelt.
“Ach,” Mitzi sah auf, “wie sieht denn ein Zimmermädchen aus?”
“Glauben Sie mir”, sagte Max und lachte wieder. “Ich habe in meinem Leben schon viele Zimmermädchen gesehen. Mein Bruder ist mit einem durchgebrannt. Sie jedenfalls sind keines!”
“Stimmt”, sagte Mitzi und musste ebenfalls schmunzeln. “Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Frau Reitinger bei mir besonders genau hinschaut.”
“Wieso arbeiten Sie denn als Zimmermädchen, wenn Sie keines sind?”
“Weil ich irgendwie mein Studium finanzieren muss. Und Tante Gertrud meinte, um diese Jahreszeit würden die Hotels Zimmermädchen suchen.”
“Da hat Tante Gertrud Recht. Im Frühling ist in Wien Hauptsaison, da brauchen wir jede helfende Hand.” Max lachte sie wieder an. Konnte dieser Mensch auch unfreundlich sein oder ernst?

“Was studieren Sie denn?” Er fuhr fort, sie auszufragen.
“Medizin.”
“Oho!” Ehrliche Anerkennung lag in seinem Blick. “Und im wievielten Semester studiert Frau Doktor?”, fragte er schelmisch.
“Mmh, wenn ich ehrlich bin . . . Ich hab noch gar nicht angefangen. Im Wintersemester will ich starten.”
“Gut, sehr gut. Und bis dahin möchten Sie bei uns schon mal ein paar Reichtümer anhäufen? Das ist ein guter Plan. Nein, im Ernst. Meinen Respekt, Fräulein Pichler. Ich glaube, so ein Medizinstudium ist keine leichte Sache. Und . . .” Er sah sie durchdringend an. “Sie mögen vielleicht als Zimmermädchen nicht unbedingt ein Ass sein, eine gute Ärztin werden Sie ganz bestimmt.”

Er stand auf und reichte ihr die Hand. “Sicherlich begegnen wir uns noch öfter hier im Haus. Ich freue mich auf unser nächstes Treffen. Es wäre schön, wenn es unter anderen Umständen geschehen würde.”
Mitzi hatte den Stuhl zurückgeschoben und schüttelte seine Hand. “Auf Wiedersehen, Herr Ludenhoff und vielen Dank.”
“Wofür?”, fragte er mit lachenden Augen.
“Für den Schnaps und Ihr Verständnis.”

Hier geht’s zu Folge 12 von “Grandhotel Herz”.

Grandhotel Herz, Folge 11; ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.

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