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Grandhotel Herz, Folge 1

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Ich hoffe, der Abschied von Hélène und Yves ist Euch nicht allzu schwer gefallen und Ihr seid nun frisch und gespannt auf den neuen Roman. Er spielt in Wien, soviel sei schon mal verraten, in einem schönen alten Hotel. Die Liebe ist nicht weit, klar. Aber wer mit wem und warum, das müsste Ihr selbst lesen. Viel Spaß dabei!

 

"Meine liebe Elisabeth", sagte Max, "ein Grandhotel will geführt sein." Marcel Souché, "Tulpen", Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de
“Meine liebe Elisabeth”, sagte Max, “ein Grandhotel will geführt sein.”
Marcel Souché, “Tulpen”, Some rights reserved, Quelle: www.piqs.de

“Guten Morgen, Herr Ludenhoff. Wünschen wohl geruht zu haben, der Herr?” Johann stand stramm und lüftete ganz leicht den schwarzen Zylinder auf seinem Kopf, als Max Ludenhoff an ihm vorbeiging.
“Guten Morgen, Johann. Danke der Nachfrage.” Max Ludenhoff nickte Johan mit einem kaum merklichen Neigen des Kopfes zu. Er mochte den kleinen, rundlichen Portier, der schon seit mehr als 40 Jahren Morgen für Morgen pünktlich um halb acht an der goldenen Drehtür des Hotels stand und die Gäste empfing. “Heute kommt Gräfin Gurlitza, Johann, aber ich denke, Sie sind darauf eingestellt.”
“Natürlich Herr Ludenhoff, wir haben alles vorbereitet. Wie ich die Gräfin kenne, wird sie wieder mit dem Pferdwagen anreisen. Vielleicht war es doch gut, dass wir aus dem alten Stall kein Tanzlokal gemacht haben. Die Tiere werden gut untergebracht sein.”

“Ja, das ist wahr”, sagte Max und lächelte. Tanzlokal, dachte er. Von wegen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er den alten Stall in eine Disko umgebaut. Und zwar in eine richtige, eine mit wildem Ruf. Das hätte dem alt ehrwürdigen Hotel gut getan, das in seinen Traditionen zu ersticken drohte.  Das Durchschnittsalter der Gäste lag weit über 60 und wenn das Grandhotel Herz jemals attraktiv sein wollte für die jüngere Generation, musste sich einiges ändern. Aber da biss Max bei seinem Vater auf Granit.

Max betrat die Hotelhalle. Sein Blick fiel auf den riesigen Tulpenstrauß auf der Theke der Rezeption. Herrlich sah er aus, aber Max entdeckte bei genauerem Hinsehen vereinzelte trockene Blütenblätter. “Bitte Marie”, sagte er zu dem Mädchen hinter der Theke. “Sorgen Sie für frische Blumen, dieser Strauß ist inakzeptabel.”
“Ja, sofort, Herr Ludenhoff. Bitte verzeihen Sie, aber wir sind heute nur zu Dritt an der Rezeption.”
“Das ist keine Ausrede für Schludrigkeiten, Marie”, sagte Max streng. “Wir können uns das nicht erlauben, unsere Gäste sind einen besonderen Service gewohnt. Und dazu gehören auch frische Blumen.” Keine Milde mit den Angestellten, das hatte er von seinem Vater gelernt. “Sonst tanzen Sie Dir auf der Nase herum”, sagte er immer. Strenge war angesagt und Verständnis nur in angemessenem Rahmen.

Max sah sich weiter um. Soweit er erkennen konnte, war ansonsten alles zu seiner Zufriedenheit. Die Blumensträuße auf den Säulen neben dem Aufgang zu den Zimmern sahen tadellos aus. Der rote Teppich, der die geschwungene Treppe überzog, war sauber, das goldene Geländer glänzte. Die Kissen in den Louis XVI-Sesseln am Fenster waren aufgeschüttelt und luden zum Verweilen ein. Die Tische waren blank gewienert. Sogar Ihre Majestäten Kaiserin Sissi und Kaiser Franz-Josef, die großflächig in Öl an der Wand hingen, schienen milde aus ihren Rahmen zu lächeln. Alles war bereit für die heutigen Gäste – und für die Inspektion durch Max’ Vater.

“Herr Ludenhoff.” Marie unterbrach seine Gedanken. “Freifrau von Krumau wartet bereits im Frühstückszimmer auf Sie.”
“Danke, Marie. Ich werde gleich zu ihr gehen.”
Max machte sich auf den Weg in den Frühstücksraum. Es würde nicht gut tun, Elisabeth zu lange warten zu lassen. Das wusste er. Sie war eine Diva und sie wollte wie eine Diva behandelt werden. Und von ihrem zukünftige Ehemann sowieso. Als er das Frühstückszimmer betrat, sah er sie ganz hinten an der Wand sitzen. Die trug ein leichtes Sommerkleid, den morgendlichen kühlen Temperatur nicht ganz angemessen. Er wusste, was das zu bedeuten hatte. Sie wollte ihn verführen. Entweder würde ihr bei dem nun folgenden Gespräch ganz zufällig ein Träger von der Schulter rutschen oder sie würde in plötzliches Frösteln verfallen, wogegen er ihr dann sein Jackett geben würde. Ein altes Spiel, das er zu genüge kannte und dass ihn zugegebenermaßen ein wenig langweilte.

Elisabeth wollte ihn unbedingt. Sie war 15 und er 14 gewesen, als er ihr auf dem langen Schulflur auf Gut Öhninghausen in der Pfalz begegnet war. Sein Vater hatte ihn auf diese Privatschule geschickt, in der Hoffnung, dort würde er den nötigen Schliff für das Führen eines Grandhotels bekommen. Elisabeth hatte sofort ein Auge auf ihn geworfen und ließ ihn seitdem nicht mehr aus den Fängen. Max genoss ihre Zuneigung, er mochte es, wenn Frauen wussten, was sie wollten. Er selbst war weniger entschlussfreudig, er ließ sich lieber treiben.

“Hallo, mein Lieber. Besser spät als nie.” Elisabeth stand auf und nahm die beiden Wangenküsse von Max entgegen. “Du hast doch nicht etwa verschlafen, oder? So allein in Deinem Bettchen…” Sie strich ihm vielsagend übers Kinn.
“Meine liebe Elisabeth, ein Grandhotel will geführt sein. Und dazu gehört auch die Inspektion am Morgen. Du weißt doch, mein alter Herr mag Unkorrektheiten überhaupt nicht. Da beuge ich lieber ein wenig vor.”
“Angst vor dem Papa?”, fragte sie neckisch und setzte sich wieder. Ihr Tonfall ging ihm auf die Nerven.
“Was hast Du denn heute vor?”, fragte er, um sie ein wenig abzulenken.
“Ich dachte eigentlich, wir beide würden den Tag zusammen verbringen.”
“Oh, das wird nicht gehen. Gräfin Gurlitza kommt heute, da wäre es recht ungeschickt, wenn ich das Hotel verlassen würde. Sie ist ein schwieriger Gast und braucht . . . naja, besondere Betreuung.”

“Die brauche ich auch”, sagte Elisabeth und nahm seine Hand, die auf dem Tisch lag.

Hier geht’s zu Folge 2 von “Grandhotel Herz”.

Grandhotel Herz, Folge 1; ein Liebesroman alter Tradition, Kitsch und Herzschmerz inklusive – wie beim Groschenroman üblich.
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Eine Antwort

  1. Sue
    | Antworten

    Na, auf das Ende bzw. erstmal muss ja noch der andere Anfang kommen, bin ich ja gespant. Sue

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